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So wächst ein Baum

So wächst ein Baum

Im Lauf der Jahre wächst ein Baum nicht nur in die Höhe - er wird allmählich auch dicker. Wie macht er das? Streckt er sich in seiner ganzen Länge oder wächst er nur an bestimmten Stellen? Verdickt er sich überall oder nur außen am Stamm? Wie können seine Transportbahnen für Wasser und Nährstoffe mit dem Wachstum mithalten? Und warum leben hohle Bäume häufig noch weiter?

Schnitzereien in der RindeSchnitzereien in der Rinde sind eine Unart, aber Sie zeigen, wie Bäume wachsen: nur oben wird angesetzt. Die Schnitzerei bleibt in der gleichen Höhe.

Ein Baumstamm besteht aus Millionen und aber Millionen von Zellen. Längen- und Dickenwachstum beruhen im wesentlichen nur auf einer Vermehrung dieser Zellen; aber beides, Längen- und Dickenwachstum, geht auf ganz unterschiedliche Weise vonstatten. Das Längenwachstum ist auf einen kleinen Bereich an der Stammspitze beschränkt; es erstreckt sich also keineswegs auf die ganze Pflanze. Wir können dies leicht feststellen, wenn wir am Stamm eine Markierung anbringen: Sie bleibt immer auf gleicher Höhe. Das in die Rinde geschnittene Herzchen findet sich noch nach Jahrzehnten an gleicher Stelle; es ist lediglich durch das Dickenwachstum in die Breite gegangen.

An der Sprossspitze befindet sich Bildungsgewebe, das ständig neue Zellen hervorbringt, selbst aber immer ganz oben an der Spitze bleibt. Im gleichen Maß, wie sich der Spross verlängert, reckt dieses Bildungsgewebe sich in die Höhe. Nur wenig unterhalb der Spitze werden die Zellen bereits - entsprechend ihrer künftigen Aufgabe - zum endgültigen Typ ausgestaltet: als Zellen, die der Stoffleitung dienen, oder als solche, denen die Festigung des Sprosses obliegt, und so weiter.

Krautige Pflanzen erreichen rasch die endgültige Dicke ihrer Sprossachse; im wesentlichen genügt da schon die Tätigkeit des Bildungsgewebes an der Sprossspitze. Bei den Bäumen und Sträuchern hingegen nehmen Stamm und Äste von Jahr zu Jahr an Dicke zu. Dafür ist eine bei Holzpflanzen ausgebildete Zone zwischen Rinde und Holz verantwortlich, das sogenannte Kambium, welches äußerst aktiv ist und während der meisten Zeit des Jahres große Mengen von Holzzellen nach innen, aber relativ wenig Rindenzellen nach außen abgliedert. Deshalb bleibt das Rindenwachstum hinter dem Holzwachstum zurück: die Rinde ist, wenn der Stamm ums Doppelte breiter wurde, nicht auch doppelt so dick.

Mit bloßern Auge ist das Bildungsgewebe, das Kambium, gar nicht zu erkennen. Da es aus ziemlich zartwandigen Zellen besteht, ist es sozusagen eine Art Schwachstelle am Baumstamm; am Kambium liegt es auch, dass sich die Rinde so leicht vom Holz lösen lässt.

Die Zellen von Holz und Rinde haben ganz verschiedene Aufgaben. Das Holz besteht aus Festigungs-, Wasserleitungs- und Speichergewebe. Dabei lebt der größte Teil des Holzkörpers gar nicht mehr: er ist so tot wie der Baukörper eines Wohnhauses mit seinen Installationen. Nur in der Nähe des Bildungsgewebes findet man noch lebende Holzzellen - vor allem Speicherzellen. Deshalb kann man bei alten, hohlen Bäumen, bei denen die Leitungsbahnen in der Nähe der Rinde noch einigermaßen intakt sind, das tragende Holz getrost durch eine Zementfüllung ersetzen, wie das ja auch immer wieder geschieht. Der Baum kann dann noch Jahrzehnte weiterleben.

Die Rinde dient der Leitung der organischen Nährstoffe. Im Außenbereich entsteht ein korkartiges Gewebe aus verdickten Zellen, die Borke, als schützender Mantel. Auch diese Korkzellen sterben bald nach ihrer Bildung ab. Der äußere Teil der Rinde, die Borke, ist also tot; nur der innere Teil, der dem Stofftransport dient, lebt: der relativ weiche Bast. Schält man die Rinde rings um den Baum bis auf das Holz ab, und sei es nur in einem schmalen Bereich, so ist der Stofftransport unterbrochen. Der Wassertransport funktioniert zwar noch im Innern des Stammes, aber der Baum stirbt nach und nach ab. In unseren Breiten, wo das Klima sich mit den Jahreszeiten ändert, ist die rinden- und holzbildende Zone, das Kambium, nicht das ganze Jahr hindurch aktiv. Im Herbst hört die Zellbildung auf, um im Frühjahr wieder einzusetzen. Die in den Frühlingsmonaten gebildeten Zellen sind verhältnismäßig dünnwandig und weiträumig; sie können große Wassermengen leiten und werden damit dem großen Wasserbedarf der wachsenden Teile gerecht. Später im Jahr werden Zellen produziert, die dickwandiger und enger sind; dadurch wird eine größere Festigkeit des Holzes erreicht. Die unterschiedliche Zellgestalt führt bei vielen Baumarten zu einer scharfen Grenze zwischen altem Spätholz und neuem Frühholz. Infolgedessen ist der Jahreszuwachs deutlich im Querschnitt des Stammes an den Jahresringen zu sehen.

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