Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Amphibien

Kapitel in: Amphibien

Wenn nötig, wechselt der Laubfrosch die Farbe

Etwa ab Anfang April kann man die lauten Chöre der Männchen weithin hören, wobei das in rascher Folge ertönende »Äpp-äpp-äpp« zusätzlich Resonanz erfährt durch eine große Schallblase am Kinn. Der Laichklumpen, den das Weibchen im Wasser ablegt, ist respektabel: fast walnußgroß.Amphibien

Während der Laubfrosch vor allem nachts Fluginsekten jagt, stillt er tagsüber seinen schier unersättlichen Sonnenhunger auf der Oberseite eines chlorophyllgesättigten Blatts. Sein ebenfalls grüner Rücken ist dabei dem Blattgrün dermaßen perfekt angepaßt, daß der Frosch nur sehr schwer zu entdecken ist. Und wenn die Umgebung es erfordert, kann er sich einfach umfärben - ins Graue oder auch ins Bräunliche.

Schon im März, meist kurz nach der Paarung der Grasfrösche, erscheint die Erdkröte -gebietsweise sogar in solchen Massen, daß die Tageszeitungen regelrechte Warnungen veröffentlichen, weil diese sogenannten Krötenwanderungen nicht unproblematisch sind für den Straßenverkehr. Umfangreiche Schutzmaßnahmen müssen dann ergriffen werden: Nicht nur das Leben der Kröten auch das Leben der Autofahrer ist in Gefahr . Innerhalb weniger Tage verlassen Aberhunderte von Erdkröten ihr Winterlager, um sich zu ihren Laichgewässern zu begeben. Häufig sieht man dabei »Doppeldecker«: Weibchen, die ihre Männchen bis zum Laichplatz huckepack tragen. Anders als unsere Frösche legen Erdkröten ihren Laich nicht in Klumpen, sondern in Laichschnüren ab. Die daraus schlüpfenden Kaulquappen zeigen ein ausgesprochenes Schwarmverhalten; sie ziehen in »Schulen« durch ihr Gewässer.

Außerhalb der Laichzeit führt die Erdkröte ein ziemlich verstecktes Dasein. Unter verrottendem Holz ist sie vor Nachstellungen weitgehend sicher . Wenn sie am Abend ihr Versteck verläßt, um sich auf die Jagd nach Spinnen, Insekten, Würmern und Nacktschnecken zu begeben, ist sie durch ihre Färbung dem Waldboden ununterscheidbar angepaßt. Dennoch könnte sie leicht zum Opfer anderer nachtaktiver Tiere werden, hätte sie nicht einen sehr wirksamen Schutz: Bei Gefahr sondern ihre dicken Ohrdrüsen Bufotoxin ab, ein Gift, das Augen-, Nasen- und Mundschleimhäute reizt und, ins Blutgefäßsystem eines Säugetieres gebracht, sogar lebensgefährlich zu wirken vermag.

Während die Erdkröte Waldbiotope bevorzugt, sieht man die schön gezeichnete Wechselkröte meist in freieren Lebensregionen, was nicht ausschließt, daß sie gelegentlich auch Waldgebiete bewohnt. Ihre Oberseite ist hellgrau bis olivfarben, durchsprengt von inselförmigen grünlichen Flecken und rötlichen Warzen. Erstaunlich ihre Fähigkeit, sich sekundenschnell dem Farbton der Umgebung anzupassen.

Später als die Erdkröte -nämlich erst Anfang Mai bis Ende Juni -paaren sich die Wechselkröten an den Gewässern. Das helle Trillern der Männchen wird in einer mächtigen Schallblase am Kinn verstärkt. Bei den Wechselkröten bestehen die Laichschnüre nicht aus doppelten (wie bei den Erdkröten) , sondern aus einfachen Eiketten.

Eine ganz besondere Fortpflanzungsweise hat die Geburtshelferkröte entwickelt: Während der Paarung wird das Weibchen vom Männchen in der Lendengegend umklammert; dann rutscht das Männchen weiter nach vorn - sobald nun das Weibchen die Laichschnüre aus seiner Kloakenöffnung entläßt, befruchtet das Männchen die relativ wenigen Eier und wickelt die Schnüre um seine Hinterbeine. Zwei bis drei Wochen lang trägt es die Eischnüre mit sich herum, bevor es die gerade ausschlüpfenden Kaulquappen in einem Gewässer absetzt. Die Geburtshelferkröte treibt mithin tatsächlich Brutpflege.

Wie für die Erdkröte, so ist auch für die Gelbbauchunke die Verteidigung durch Gift der beste Selbstschutz. Doch im Gegensatz zur Erdkröte ist die Gelbbauchunke geradezu darauf aus, sich bei Gefahr auffällig zu machen. Naht ein Feind, dann verhält sie sich im ersten Moment vollkommen still, so daß das Aschgrau ihres Rückens sich kaum abhebt beispielsweise vom lehmigen Erdreich einer mit Regenwasser gefüllten Radfurche. Plötzlich aber dreht sie sich auf den Rücken, ein Totstell - und Abschreckreflex zugleich: Denn die grelle Färbung ihres Bauchs, die nun dem Feind förmlich entgegenflammt, erinnert ihn ungut an Erfahrungen, die er schon früher mit einem Unkensekret gemacht haben mag. Das ist der ganze Unkentrick- indessen, erst wirksam! Und oft muß sich die Unke nicht mal auf den Rücken legen: Sie kehrt nur die Arme und Beine nach oben, deutlich sichtbar über den Rücken, damit der Feind deren ebenfalls abschreckend grellgefärbte Unterseite sehen kann.

Diese »Kahnstellung« ist auch das typische Schutzverhalten der Rotbauchunke, die in den Altwässern der Tiefländer zu Hause ist. Beide Arten, Gelb- wie Rotbauchunken, sind ausgesprochene Wasserbewohner , wobei die letztgenannten größere Ansprüche an ihr Gewässer stellen. (Gelbbauchunken, die im allgemeinen hügelige und gebirgige Gegenden bevorzugen, geben sich notfalls auch mit Pfützen zufrieden.) Typisch für beide ist der melancholische Ruf » Uh«oder »Ung«, etwa im Atemabstand geäußert.

Während die Gelbbauchunke ihre Warnfärbung erst im Moment der Gefahr vorzeigt, trägt der Feuersalamander seine Signalfärbung dauerhaft. Normalerweise lebt er recht verborgen, erst bei Nacht begibt er sich auf die Jagd nach Würmern und Schnecken. Kommt er aber doch einmal ans Tageslicht -ein warmer Sommerregen kann ihn hervorlocken -, dann will er nicht belästigt werden - weshalb er sich quasi vorbeugend auffällig macht . Denn das räuberische Lebewesen, das schon einmal einen Feuersalamander verschluckt hat, wird das fürchterliche Brennen im Schlund und den anschließenden Brechanfall so schnell nicht vergessen. Wieder ist es die Kombination von Ungenießbarkeit und auffälliger Färbung, die sich dem Feind eingeprägt hat und die auch den Salamander vor Nachstellungen schützt.

Der Feuersalamander bevorzugt die Nähe klarer Bäche und Quellwässer, in denen das Weibchen im Frühjahr oder im Sommer ein bis vier Dutzend Larven absetzt -Larven, die bereits Kiemen und Beine haben.

Auch sein kleiner zierlicher Verwandter , der lackschwarze Alpensalamander, ist lebendgebärend. Doch anders als der Feuersalamander hat er sich von jeglichen Gewässern unabhängig gemacht. Das Weibchen gebiert meist zwei vollständig entwickelte kleine Alpensalamander, die das Larvenstadium bereits im schützenden Mutterleib durchlaufen haben.

Die Tiere halten sich im allgemeinen in Höhen zwischen 800 und 2000 Metern auf, wo sie sich tagsüber gern unter flachen Steinen und herabgefallenen Rindenstücken verbergen, um nachts Jagd zu machen auf langsame Kleintiere wie Regenwürmer und Nacktschnecken. Der Alpensalamander wird höchstens zwölf Zentimeter lang. Ohne Wasser könnten die Molche nicht existieren. Zwar verbringen sie die meiste Zeit des Jahres unscheinbar im Erdreich oder unter Baumstümpfen; aber im Frühjahr legen sie sich ein prächtiges Hochzeitskleid zu, das sogenannte Wasserkleid.

Der Fadenmolch ist der kleinste unserer vier Molche, benannt nach dem kurzen dunklen Faden am Schwanzende des Männchens. Dieses wird sieben Zentimeter lang, das Weibchen neun. Unter dem Rücken des Männchens verläuft zur Paarungszeit ein niedriger Saum; jede Rückenseite weist eine deutliche Leiste auf- weshalb das Tier auch Leistenmolch genannt wird. Seine Hinterfüße sind zur Paarungszeit dunkel gefärbt und haben gutausgebildete Schwimmhäute.

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