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Der Kreislauf des Lebens erzeugt stets auch (tierischen, pflanzlichen) Abfall - und nirgendwo sind diese Abfallmengen größer als im Wald. Blätter fallen, kranke und altersschwache Bäume stürzen um, Sträucher und Kräuter verfaulen oder verdorren - der Waldboden ist sozusagen übersät mit pflanzlichen Leichen. Wären da nicht gewaltige Heere von Organismen, die diese Pflanzenreste zersetzen und umwandeln in nährstoffreichen Boden - ihre Wiedereingliederung in den Naturkreislauf wäre nicht möglich.
Zahllose Würmer, Gliedertiere und Schnecken zerkleinern das tote Material und erleichtern so die weitere Zersetzung durch Pilze und Bakterien. Der Abbauprozeß dieses Materials wird durch ihre Arbeit erheblich beschleunigt. Im folgenden sei eine kleine Auswahl dieser »Totengräber« vorgestellt, die auf dem Pflanzenfriedhof des Waldes besonders aktiv sind.
Von unschätzbarer Wichtigkeit, geht es um die Umwandlung abgestorbener Pflanzenteile in Humus, sind die Springschwänze, flügellose, nur wenige Millimeter große Insekten. Sie haben eine Sprunggabel am Hinterleib, die sie unter den Leib klappen können, um sie dann schlagartig in die Ausgangslage zurückzuschnellen - Effekt: mit jedem Schnellvorgang schleudern die Tiere sich einige Zentimeter vorwärts. Springschwänze bilden die individuenreichste Insektengruppe, die es überhaupt gibt: auf einem Quadratmeter Laubwaldboden leben bis zu 100000 dieser Tiere! Die können mit ihren Mundwerkzeugen und ihrem Verdauungstrakt in einem Jahr rund 180 Kubikzentimeter Humus produzieren. Zwischen der Güte des Bodens und dem Bestand der Springschwänze besteht nachgewiesenermaßen ein direkter Zusammenhang.
Von den Milben, die zu den Spinnentieren gehören, sind bis heute mehr als 10000 Arten erfaßt und beschrieben. Unmöglich, hier sämtliche Lebensräume dieser oft sehr kleinen Tiere (sie werden nur etwa den zwölften Teil eines Millimeters groß) aufzuzählen: In fast jedem Biotop sind sie zu finden. Neben einigen räuberischen Arten gibt es viele, die sich von pflanzlichen Abfallstoffen ernähren. Trotz ihres geringen Nahrungsbedarfs tragen sie - infolge ihrer enorm hohen Individuenzahl sehr wesentlich zur Herausbildung der Humusschicht bei.
Der bekannteste Vertreter der Asseln, die unter zoologisch-systematischem Aspekt zu den Krebstieren zählen, ist die Kellerassel, häufig zu finden in feuchten Räumen unserer Häuser. Auch im Wald leben einige Arten, durch deren Fraßtätigkeit organische Stoffe so weit aufbereitet werden, daß sie für ihre Weiterverarbeiter, die Pilze und Bakterien, optimal zugänglich sind. Arten, die in unserem Wäldern häufig vorkommen, sind die ockerfarbene Zwergassel, die Sumpfassel und die dunkelgrau gefärbte Moosassel.
Obwohl sich der Rote Waldregenwurm die meiste Zeit wohlverborgen in der Humusschicht des Waldes aufhält, kann man ihn gelegentlich doch auch durch Gras und Laub kriechen sehen: leuchtendrot und an der Körperoberfläche violett. Er zieht Blätter und andere Pflanzenteile in sein unterirdisches Röhrensystem - sind sie dort leicht verrottet, so dienen sie ihm als Nahrung. Damit trägt der Regenwurm wesentlich zur Gesunderhaltung unserer Wälder bei, besonders der Laubwälder - und zwar in dreierlei Hinsicht: erstens erzeugt er Humus, zweitens belüftet er durch sein Gangsystem die obere Bodenschicht, und drittens helfen seine mineralreichen Kotausscheidungen im Wurzelbereich, die Pflanzen des Waldes auf natürliche Weise zu düngen.
Von den »Tausendfüßlern« - langgestreckten, mit vielen Beinpaaren versehenen Insekten-weiß der Volksmund sich viel zu erzählen, fasziniert von der automatenhaften Bein-Koordination dieser Tiere. Doch für den Zoologen handelt es sich da keineswegs um eine einheitliche Gruppe. Eine dieser Untergruppen ist die der Doppelfüßler, zu denen auch der Waldschnurläufer zählt. Wie der Gruppenname schon sagt, besitzen diese in unseren Wäldern sehr häufig vorkommenden Tiere pro Körpersegment zwei Beinpaare. Die Haut ist durch Kalkeinlagerungen stark verfestigt. Bei Beunruhigung rollt der Schnurläufer, der in gestrecktem Zustand annähernd drei Zentimeter lang ist, sich zu einer Spirale zusammen.
Ein Verwandter des Schnurläufers ist der Saft-kugler. Im ersten Moment meint man, eine Assel vor sich zu haben, so verblüffend ähnlich sind seine Körperumrisse. Bei Gefahr rollt der Saftkugler sich zur Bauchseite ein - er gleicht dann einer vollkommen geschlossenen Kugel: daher der Name. Schnurläufer wie Saftkugler ernähren sich von verrotteten Pflanzenteilen, womit sie ebenfalls kräftig zur Humusbildung beitragen.