Der deutsche Wald kann mehr als rauschen

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Wildparks und Gehege

Kapitel in: Wildparks und Gehege

Der Zuschauer hat die Illusion der freien Natur

Es gibt einige solcher Parks, in denen möglichst viele verschiedene Tiere gehalten werden, getrennt in Gehegen, zwischen denen hindurch Wege oder gar Fahrstraßen führen. Die Besucher können die Tiere aus vieler Herren Länder aus kurzer Distanz betrachten. Diese Situation ist miserabel- für die Tiere. Die einheimische Vegetation und unser Klima bieten den ausländischen Arten meist unzureichende Lebensgrundlagen; die Tiere erkranken an Parasiten, gegen welche die einheimischen Arten immun sind. Sie können anders als im Zoo - in den großen Gehegen tiermedizinisch nur ungenügend versorgt werden, weil sie hierfür erst eingefangen werden müßten oder weil überhaupt zu wenige Tierhäuser vorhanden sind. Wildgehege dieser Art bieten nicht mehr, sondern entschieden weniger als zoologische Gärten. Die Tiere benehmen sich anders als Wildtiere ; sie sind angepaßt an das Leben im Gehege, wecken aber im Zuschauer die Illusion, er sehe sie „in freier Natur“. Der Zoo ist hier die weitaus ehrlichere Alternative. Das gilt vor allem bei der Mehrzahl der fremdländischen Tierarten.

Es gibt auch andere Parks - Parks, wo die Tiere in natürlichen Verhältnissen gehalten werden. Dies bedeutet erstens, daß es einheimische Tiere sind; zweitens, daß es wenig Tiere sind, die auf einer größeren Fläche leben. Diese Situation ist ausgezeichnet - für die Tiere. Der Besucher hat allerdings weniger davon: er sieht nicht so viel. Die meisten Wildgehege in Deutschland liegen irgendwo zwischen den beiden Extremen. Je mehr man sich auf wenige einheimische Tiere in möglichst natürlicher Umgebung beschränkt, um so eher sind solche Einrichtungen zu befürworten vor allem dann, wenn gefährdete Arten gezüchtet werden, um sie später freizulassen. Die Einrichtung dieser Wildparks folgt einer Geschichte, die mit dem Naturschutz kaum etwas zu tun hat. Schon im frühen Mittelalter wurde in den bevorzugten Jagdgebieten des Adels Wild in großen Waldungen gehalten und gepflegt. Um auch den bequemeren oder ungeschickteren Herren eine angenehme und sichere Jagd möglich zu machen, mußte der Wildbestand sehr groß sein. Weil dieses Wild im Wald nicht genügend Nahrung fand, machte es sich über die Feldfrüchte der Bauern her, was denen gar nicht behagte. Im Mittelalter mußten sie es hinnehmen, später kam es deswegen zu regelrechten Kriegen zwischen Bauern und Fürsten. Und oft blieb den Adligen gar nichts übrig, als ihr Jagdrevier einzuzäunen.

Ein Beispiel für solch ein eingezäuntes Großgehege ist der Saupark Springe. Dort, in den wildreichen Waldungen des Kleinen Deisters, jagten die Könige von Hannover. Das viele Schwarz- und Rotwild richtete so große Schäden auf den angrenzenden Feldern der Bauern an (Schäden, die das Königshaus bezahlen mußte), daß der Park 1839 mit einer zwei Meter hohen und 16 Kilometer langen Mauer umgeben wurde. Man trieb noch zusätzlich Wild aus den angrenzenden Wäldern in dieses Gehege; die Könige aus Hannover (und später die deutschen Kaiser) hatten dort mindestens 200 Wildschweine sowie 100 Stück Rotwild und Rehe. Später wurde in diesem Gebiet auch noch Damwild eingesetzt. Dieser Saupark ist heute ein Wildgehege im naturschützerischen Sinn. In den ausgedehnten Wäldern mit ihren Buchen, Eichen, Fichten, Lärchen und anderen Baumarten leben jetzt etwa 120 Stück Schwarzwild, 100 Stück Damwild und 50 Stück Muffelwild (das 1959 dazukam). Auf 50 Kilometern Wanderwegen kann man durch den Park spazieren, darf aber die Wege nicht verlassen , um das Wild nicht zu beunruhigen. Futterstellen und Äsungsflächen sind jedoch so geschickt in der Nähe dieser Wanderwege angelegt, daß man wenn man ruhig bleibt - dort sehr häufig Tiere beobachten kann.

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